Die Spree hoch und runter: Haenselbert zu Tal an der Oberbaumbrücke
Zwischen der Mühlendammschleuse und dem Kanzleramt liegen nur wenige Kilometer Spree. Wer Berlin mit einem kleinen Motorboot befährt, erlebt die bekannten Orte aus einer Perspektive, für die sie ursprünglich einmal gebaut wurden – vom Wasser.

Am Holzmarkt sitzen die Jüngeren am Wasser, viele Touristinnen und Touristen, viele Expats. Wenige Minuten später verändert sich die Kulisse. Hinter der Mühlendammschleuse beginnt Berlins City-Flair auf dem Wasser. Für Sportboote ist sie einer der wichtigsten Übergänge in die Stadt. Steuerbord gibt es eine eigene Wartestelle, angemeldet wird per Funk oder notfalls telefonisch, weil die Gegensprechanlage gefühlt seit Jahren außer Betrieb ist. Die Schleuse arbeitet zuverlässig und manchmal sind die Schleusenwärte sogar richtig freundlich. Hinter dem Tor öffnet sich das Nikolaiviertel. Kaum einer der Touristen dort oben nimmt wahr, wie viel Bootsverkehr sich ein paar Meter tiefer durch die Stadt schiebt.

Mit jedem Kilometer wird die Spree voller. Ausflugsschiffe bestimmen den Takt, dazwischen ein paar Bootsausflügler auf Mietbooten. Zum Glück kommt hier nicht alles hin, was sich irgendwie schwimmend fortbewegen lässt. Denn es herrscht Funkanlagenpflicht! Vor dem Berliner Dom und entlang der Museumsinsel sitzen die Menschen mit den Beinen über der Kaimauer. Manche trinken Bier, manche scheinen seit dem Nachmittag nicht mehr aufgestanden zu sein. Wer hier regelmäßig unterwegs ist, schaut weniger auf die Fassaden als auf die Heckwellen der Fahrgastschiffe. Die können einen auf dem kurzen Stück mehr beschäftigen als jede Kurve des Flusses.
Hinter der Friedrichstraße rücken die Brücken dichter zusammen und der Verkehr sortiert sich fast von selbst. Der Reichstag liegt backbord, die neueren Bundestagsgebäude auf beiden Uferseiten. Das Regierungsviertel übernimmt das Bild. An Sommerabenden wird hier getanzt, manchmal laufen Videoprojektionen über die Fassaden.
Dahinter taucht groß und eindrucksvoll der Hauptbahnhof auf. Auf dem Wasser interessiert dagegen vor allem, wie viel Platz bis zum nächsten Ausflugsschiff bleibt. Berlin sieht von hier oft spektakulär aus, fährt sich aber erstaunlich sachlich.
